PV-Magazine – Stecker-Solar-Geräte in Deutschland und die Normen

Legal oder illegal – welche Normen und Voraussetzungen gelten für Stecker-Solar-Geräte in Deutschland wirklich?

Stecker-Solar-Geräte haben in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erlebt.

Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW, der sich schon seit Jahren intensiv mit dem Thema Balkonsolar befasst, hat versucht Licht ins Dickicht des deutschen Normen-Dschungels zu bringen. Anschlussnorm, Anmeldungsnorm, Produktnorm, Regelungen im Ausland, EU-Vorgaben, Zählertausch, Seltmann lässt nichts aus. Hier unsere Zusammenfassung zum ausführlichen Artikel:

Das Balkonkraftwerk feiert großen Aufschwung bei deutschen Konsumenten. Die einfache und praktische Anwendung der Stecker-Solar-Geräte hat in Deutschland in letzter Zeit viele bürokratische Hürden geschafft. Trotz der vielen Erfolge in den letzten Wochen gibt es leider immer noch einige Baustellen am Weg Richtung Energiewende. Wir bringen Licht in die unübersichtliche Lage der rechtlichen Bedingungen in Deutschland.

Mit der erschwinglichen Photovoltaiklösung für den Balkon können jetzt auch Stadtbewohner ihren eigenen Strom erzeugen. Die Solarpanele werden direkt an der Steckdose angesteckt und speisen somit Sonnenstrom ins Hausnetz ein. Die einfache Anwendung wird jedoch häufig durch unverhältnismäßig strenge Vorgaben behindert und Verbraucher dadurch verunsichert.

Für Konsumenten besteht jedoch kein Grund zur Unruhe. Wichtig beim Kauf von Stecker-Solar-Geräten sind die Anforderungen des Modulwechselrichters. Diese müssen lediglich die Norm für Photovoltaik Wechselrichter einhalten. Die Norm beinhaltet, dass bei Abschaltung die Anschlusskontakte schneller spannungsfrei sein müssen, als das z.B. von Staubsaugern verlangt wird.

Ein wichtiger Durchbruch war dabei die Änderung der Installationsnorm VDE 0100-551-1. Dadurch wurde endlich erlaubt, dass ein Stromerzeuger über eine Steckdose an einen Stromkreis angeschlossen werden darf, der eigentlich für Verbrauchsgeräte gedacht ist. Die Norm fordert ebenso die Verwendung einer Einspeisesteckdose.

Hierbei werden Anforderungen festgelegt, die für andere, viel gefährlichere, Elektrogeräte im Haushalt nicht in Betracht gezogen werden.

Im Rahmen des Normungsprozesses wurde ebenfalls ein Gutachten erstellt, welches zeigt, dass Solarmodule bis zu 600 Watt an einem Stromkreis praktisch risikolos sind. Im Gegensatz zu den Nachbarländern, wie Österreich, Schweiz und Niederlande, legt Deutschland jedoch keine praktikable Bagatellregelung fest.

Netzanschluss

Unübersichtlich ist auch die Situation für den Netzanschluss der Stecker-Solar-Geräte in Deutschland, obwohl die EU-Vorgabe kleine Erzeuger bis 800 Watt ausdrücklich als nicht regelungsbedürftig einstuft. Dadurch könnte man auch auf die Anmeldepflicht beim Netzbetreiber eigentlich verzichten.

Wenigstens gibt es bereits ein vereinfachtes Anmeldeformular, das vom Endkonsument selbst beim Netzbetreiber eingereicht werden kann.

Weitere Unklarheiten gibt es auch beim Stecker. In Österreich z.B. ist das Benutzen der vorhandenen Schuko Steckdose kein Problem. In Deutschland wird eine spezielle Energiesteckdose vorgesehen, allerdings nur, wenn das Solarkraftwerk den Schutz gegen Restspannung nicht erfüllt. So bleibt die Berührung des Steckers ungefährlich.

Kurz gesagt, wenn der Wechselrichter die Anforderungen der Wechselrichternorm erfüllt, dann muss keine Energiesteckdose verwendet werden.

Die aktuelle Situation zeigt, dass sich selbst in den Normungsgremien Fachleute uneinig sind. Teilweise werden Standards definiert, die eine einfache und praktische Anwendung behindern und Konsumenten dadurch verunsichern.  

Blick in die Zukunft

Trotz zahlreichen noch bevorstehenden Hürden befindet sich der Markt für steckerfertige Systeme im Aufschwung und auch die letzten bürokratischen Hindernisse können im Laufe der Zeit noch bewältigt werden. Wichtig ist, dass sich Konsumenten von den verwirrenden Rahmenbedingungen nicht verunsichern lassen.

Steckerfertige Photovoltaiksysteme ermöglichen es, kostengünstig und möglichst einfach einen wichtigen Beitrag zur Umwelt zu leisten.

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